Nach zehn Jahren Auszeit in Singapur wagt Candice Renoir im südfranzösischen Sète einen Neuanfang. Ein Neuanfang besonderer Art: Getrennt von ihre Mann zieht sie nun allein ihre vier Kinder auf, und sie beginnt wieder im Polizeidienst in gehobener Position, als Commandante, zu arbeiten. Eine ungewöhnliche Frau: gutaussehend, blond, auf hohen Absätzen stöckelnd, Lieblingsfarbe pink (ob Kleidung, Handtasche, Handy, Lippenstift...). Und dazu noch sehr klug, mit einem besonderen Gespür für Details und brillantes Kombinieren. Eben doch keine "Polizei-Barbie", wie manche Kollegen denken. Damit ist sie unschlagbar in ihrem Job und geht bei ihren Ermittlungen auch ungewöhnliche Wege, wenn es sich um abwegigste Verbrechen handelt.

"Candice Renoir - Mörderjagd mit Chic und Charme" heißt die erfolgreiche französische TV-Krimi-Serie, von de inzwischen Staffel 5 in Frankreich ausgestrahlt wurde. Aber November 2017 bis ins neue Jahr hinein ist Staffel 3 und 4 in Wiederholung auf ZDFneo zu sehen. Die Erfolgsserie - seit 2013 ein Quotenhit mit über vier Millionen Zuschauern in Frankreich - bietet unterhaltsame Krimi-Kost. Kein Wunder, dass die Serie auf DVD erscheint. ZDFneo und Edel:Motion präsentieren sie bei uns, inzwischen Staffel 3 (produziert von Caroline Lassa und Christophe Nobileau) - erschienen am 1. 9. 2017, gefolgt von Staffel 4 (produziert von Caroline Lassa und Guillaume de Menthon) - veröffentlicht am 6. 10. 2017, jeweils zehn Fälle auf jeweils drei DVDs.

Die Folgen erschließen sich im Zusammenhang und erzählen, wie Candice Renoir mit ihrem Team unter nicht immer einfachen Bedingungen (Büokratie, anmaßende Vorgesetzte bis hin zu Rivalitäten) Licht ins Dunkel der unterschiedlichsten Fälle bringt. Hilfreich dabei der Blick ins kleine Büro-Aquarium mit Goldfisch "Pepito", der "Super-Kräfte" ausstrahlt. Raubüberfälle, Aktionen von Abtreibungsgegnern, Drogenhandel, der Tod eines Studenten, ein auf die Minute vorhergesagter Mord, ein Verbrechen ohne Leiche - das sind nur einige Fälle, mit denen sich Candice beschäftigt. Und sogar ihre eigene Mutter, die sie zwanzig Jahre lang nicht gesehen hat, gerät ins Visier der Polizei, nicht zu Unrecht.

Und wie so oft steht Candice Renoir, die von Cécile Bois hervorragend verkörpert wird, zwischen raubeinigen Männern, die ihre Kollegen sind. Nach der Trennung von Liebhaber Daid Canovas (Stéphane Blancafort) geht sie mit Antoine Dumas (Raphel Lenglet) - beide sind Capitaine - eine Affäre ein. Canovas weiß davon nichts. Im letzten Fall der 4. Staffel kommt es zum dramatischen Höhepunkt der Serie: Canovas wird Opfer einer Briefbombe. Ob er überlebt, wird sich in Staffel 5 klären.

Zwischen Privatleben - Candice möchte eine gute Mutter sein - und Beruf hin und her gerissen, steigert Schauspeilerin Cécile Bois die Unruhe ihrer Figur mit Nerven zerreißenden Momenten. Da geht zwangsläufig etwas Charme und Humor verloren. Trotzdem: Große Schauspielkunst mit viel Esprit und Gefühl, umgeben von mediterranem Flair.

Pünktlich zum 100. Geburtstag des Dichters Johannes Bobrowski am 9. April 2017 erschien erstmals seine umfangreiche, ja gewaltige Briefkorrespondenz. Der ambitionierte Wallstein Verlag veröffentlichte die Sammlung, die Briefe der Jahre 1937-1965 enthält, in vier Bänden. Es ist die großartige Krönung des Werkes ein viel zu früh Verstorbenen.

Herausgeber Jochen Meyer, der bis 2006 die Handschriftabteilung im Deutschen Literaturarchiv in Marbach leitete, beschreibt im ausführlichen Nachwort von Band 4, dass Johannes Bobrowski seine Briefe handschriftlich verfasste. In einer sehr schönen und lesbaren deutschen Schreibschrift, in die sich manchmal "lateinische" Buchstaben "verirrten". Belege für diese ausgeprägte Handschrift finden sich in Abbildungen zum Werk des Dichters in verschiedenen Ausgaben, wie in Gerhard Wolfs meisterhaftem Essay "Beschreibung eines Zimmers. 15 Kapitel über Johannes Bobrowski" (1971).

Sieben Jahre benötigte der Herausgeber für seine Edition der über 1.200 Briefe, die Einblicke in einen literarischen Kosmos geben, der bis heute für Überraschungen sorgt. Denn die Briefe sind nicht nur Zeugnisse eines Dichters und Autors, dessen Herkunft aus dem östlichen Preußen (Geburtsort Tilsit) prägend für sein Schreiben war. Sie geben Auskunft über das Leben im geteilten Deutschland, über das literarische Leben in Ost und West, über Person und Herkunft, über Freunde und Zeitgenossen bis hin zu persönlichen Erfahrungen mitten im Kalten Krieg.

Bobrowski lebte in der DDR, in Berlin-Friedrichshagen, am Müggelsee -  bis zu seinem Tod. Nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg nahm er Anteil am Aufbruch im jungen Arbeiter-und-Bauern-Staat, später mit ernüchternden Erfahrungen zwischen Ost und West, politisch, kulturell, auch was Veröffentlichungen auf beiden Seien betraf bis hin zu wichtigen Erfolgen mit Buchveröffentlichungen in renommierten Verlagen bis hin zum Auftritt in der Gruppe 47. Aber immer steht im Mittelpunkt - und das ist aus vielen Briefen ersichtlich - die Auseinandersetzung Bobrowskis mit der Geschichte und des Verhältnisses der Deutschen zum europäischen Osten. Mitten im Krieg als Soldat, 1941 am Ilmensee, begann er zu schreiben. 20 Jahre später, 1961, erschien sein erster Lyrikband "Sarmatische Zeit", ein Jahr später, 1962, folgte "Schattenland Ströme". Rasche Veröffentlichungen - zwei Bände, die die sarmatische Landschaft als poetische Welt manifestieren und Bobrowski als Dichter von Rang vorstellen. Darauf folgten Erzählungen und Romane.

Zurück zu den Briefen: Der erste Brief der Edition vom 26. Mai 1937 ist an die Mutter Johanna gerichtet. Darin schreibt der Verfasser von seinen Erfahrungen im "Reichsarbeitsdienst" - eine dem Wehrdienst vorausgehende vormilitärische Arbeitspflicht, die der junge Mann, der noch auf sein Reifezeugnis wartete, leisten musste. Der Empfänger des letzten Briefes, den Bobrowski wohl geschrieben hat, war der österreichische Autor Hugo Huppert. Verfasst wurde das kurze Schreiben vor dem 31. Juli  1965. - Am 2. September 1965 verstarb Johannes Bobrowski an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs.

Seine Briefe - ein Kompendium von Zeitzeugnissen, das hier nur andeutungsweise beschrieben werden kann. Wer sich in die Welt der Briefe einfühlt, wird von einer Botschaft zur nächsten geleitet, mit unzähligen Fußnoten und Anmerkungen. Daraus ergeben sich immer wieder neue Überleitungen zu Korrespondenzen, zu den Verfassern, zu Dichtern, Schriftstellern, Verlegern, Freunden, denn auch ihre Gegenbriefe werden abgedruckt. Man müsste die Briefe noch einmal genau lesen, ob sich darin die Verbindung nach Thüringen - Saalfeld - andeutet, denn hier hielt sich Bobrowski kurzzeitig auf.

Die Teilung Deutschlands ist immer sichtbar, wenn auch - aus Sicherheitsgründen - manches unausgesprochen bleibt - wie eine offene Kritik an den Systemen. Aber zwischen den Zeilen lässt sich ablesen, was der Schreiber dachte, wenn es zum Beispiel um die Ereignisse rund um den 17. Juni 1951 geht. Die Namen der Adressaten zeigen, welch bewegtes literarisches und gesellschaftliches Leben und Engagement Bobrowski führte, wie er Menschen aus Ost und West an sich binden konnte, sie vernetzte, vor allem in sein offenes Haus in Berlin-Friedrichshagen einlud. Genannt seien nur: Hans Magnus Enzensberger, Peter Huchel, Bernd Jentzsch, Peter Jokostra, Heinz Kamnitzer, Ludvik Kundera, Herbert Lucius (Verleger Altberliner Verlag Lucie Groszer), Christoph Meckel bis hin zu Eberhard Haufe, dem außerordentlichen Bobrowski-Kenner, der nach dem Tod des Dichters begann, die Briefe zusammenzutragen. Genannt werden muss auch Wulf Kirsten, der als junger Autor seine Gedichte an Bobrowski schickte. Neben Geschäftskorrespondenzen finden sich Briefe mit privatem Inhalt, mit Botschaften an die Familie oder der Gedankenaustausch mit Freunden aus der Kriegszeit.

Diese Edition ist als herausragende verlegerische und herausgeberische Tat zu würdigen. Für Verehrer des Dichters eine wahre Fundgrube und für Autoren, die ihn neu oder wieder entdecken, eine Begegnung der ganz besonderen Art. Denn Bobrowski hat vor allem, und das sollte nicht vergessen werden, zahlreiche junge Dichter in der DDR, vor allem in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren maßgeblich beeinflusst.

Johannes Bobrowski: "Briefe 1937-1965". Herausgegeben und kommentiert von Jochen Meyer. Mainzer Reihe. Neue Folge, Bd. 16. Wallstein Verlag. 4 Bände, zus. 2.727 Seiten, im Schuber, 199,00 Euro

 

 

 

 

 

"Fast nichts. Wie ein Insektenstich, der dir zunächst ganz leicht vorkommt. Wenigstens sagst du dir das leise, um dich zu beruhigen." Mit diesen Sätzen beginnt Patrick Modiano, Literatur-Nobelpreisträger 2014, seinen Roman "Damit du dich im Viertel nicht verirrst". Das Buch erschien im gleichen Jahr; der Carl Hanser Verlag brachte es ein Jahr später heraus. Das Hörbuch (ungekürzte Lesung) folgte bei HörbuchHamburg sofort.

Auch zwei Jahre nach seinem Erscheinen ist die Hörbuchproduktion (kulturradio rbb) keinesweg verblasst. Der bekannte Schauspieler Ulrich Matthes liest mit ruhiger und ernster Stimme. Damit dringt er tief in die Geschichte um den zurückgezogen lebenden Pariser Schriftstellers Jean Daragane ein, der an einem heißen Septembertag 2012 einen Anruf erhält, der ihn aufschreckt. Ein Unbekannter teilt mit, er habe sein Adressbuch gefunden und bestellt ihn in ein Café in der Rue de l'Arcade. Dort in der Nähe, am Boulevard Haussmann, hatte der Vater des Schriftstellers ein Büro. Seltsam, dass sich Daragne noch an die genaue Hausnummer erinnert. Der Unbekannte stellt sich als Gilles Ottolini vor und fragt nach einem Guy Torstel, auf dessen Name er beim Blättern im Adressbuch gestoßen ist. Dieser Name wirkt wie ein "Insektenstich" bei Daragne, denn die Akte eines alten Krimifalls steht mit dem Namen von Guy Torstel in Verbindung. In der Akte entdeckt Daragane das Passfoto eines Jungen, in dem er viel später sich selbst erkennt.

Patrick Modiano, der Spurensucher, der tief in die Vergangenheit der Stadt Paris eintaucht und dabei seine eigene Biografie mitnimmt, türmt für den Erzähler und für den Leser Fragen über Fragen auf - für die es keine Antworen mehr gibt. Vergessene Namen und vergangene Erlebnisse bündeln sich. Mittendrin das Kind, umgeben von mysteriösen Erwachsenen und ihren noch mysteriöseren Schicksalen. Dazu gehört die Varietétänzerin Annie Astrand, eine Freundin von Daraganes Mutter. Sie nahm den Siebenjährigen in ihre Obhut,weil Daraganes Eltern das Kind wie so oft abschieben wollten. Annie lebte mit dem Jungen außerhalb von Paris, später am Montmartre. Als sie mit ihm 1952 nach Italien fliehen will, wird sie an der Grenze aufgegriffen. Der Junge kommt ins Internat. Als Daragane seine Ersatzmutter Jahrzehnte später trifft, denkt sie fast gar nicht mehr zurück, während er obsessiv jahrelang nach dem Kind forscht, das er einmal war.

 Die Suche nach der Vergangenheit entlädt sich in einem kraftvollen Sog, einer hochverdichteten geheimnisvollen Magie, die Patrick Modiano (Jahrgang 1945) so einzigartig mit einer ganz besonderen Leichtigkeit beherrscht.

Patrick Modiano: "Damit du dich im Viertel nicht verirrst". Ulrich Matthes liest. HörbuchHamburg, 2015. 3CDs, 220 Min., 19,99 Euro

Patrick Modiano: "Damit du dich im Viertel nicht verirrst". Roman. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Hanser, 2015. 160 Seiten, 18,90 Euro

Ein Mann vermisst nach einem Streit seine Frau und informiert die Polizei. Das geschieht in einem Urlaubsort in den französischen Alpen. Dann taucht die vermisste Frau plötzlich wieder auf, doch der Ehemann, Daniel Courbon, sagt, es sei nicht Elisabeth. Damit beginnt ein spannendes Psychospiel zwischen dem zusehends immer mehr durchdrehenden Ehemann, der "falschen" Ehefrau, dem Pfarrer des Ortes, dem ermittelnden Kommissar und zwei "verhängnisvollen" Zeugen. "Die Falle" heißt dieses Kriminalhörspiel, ein Psycho-Thriller mit Hochspannung. Gesendet wurde das Hörstück - eine Produktion des Bayerischen Rundfunks - erstmals 1960.

In dieser Zeit erlebte ich, als Schülerin,im Thüringer Wald, also in der DDR, meine hohe Zeit als Rundfunk-Hörerin. Presste meine Ohren abends an unser Radio "Blaupunkt", um interessante Beiträge und Musik zu "konsumieren", vorwiegend sogenannte "West-Sender". Ein TV-Gerät besaßen wir damals noch nicht. Das kam erst Jahre später. Wann ich genau "Die Falle" hörte, weiß ich nicht mehr. Aber bis heute habe ich dieses spannende Hörspiel nicht vergessen, in dem es um die theatralisch inszenierte Überführung eines Mörders geht. Dabei verstrickt sich der Ehemann immer mehr in die Fänge seiner inszenierten Story und kann sich am Ende nicht mehr herauswinden.

2015 brachte pidax film media (Hans Schaffner) gemeinsam mit AL!VE "Die Falle" als Hörbuch auf einer mp3-CD heraus. Laufzeit: ca. 116 Minuten. Hörspiel-Freunde werden diese zwei Stunden gut durchhalten und beeindruckt sein, denn noch immer ist dieser Thriller herausragend. Auch Alfred Hitchcock fuhr darauf ab und wollte das dem Hörspiel zugrunde liegende Theaterstück des französischen Autors Robert Thomas (1927-1989) - Uraufführung von "Piège pour un homme seul" 1960 in Paris - verfilmen. Doch dazu kam es nicht mehr, weil Hitchcock starb.

"Die Falle" bietet eine packende Wiederbegegnung mit großen BRD-Schauspielern und ihren Stimmen wie Dietmar Schönherr als Daniel Courbon, Maria Sebaldt als "falsche" Ehefrau, Hans Quest als Pfarrer und Siegfried Lowitz ("Der Alte") als Kommissar.

"Die Falle" besteht aus drei Episoden, die ineinander übergehen. Regie führte Heinz-Günter Stamm.

Fazit: Ein Hörspiel-Klassiker als Rätsel-Krimi mit verwirrenden Komponenten. Das Theaterstück wurde übrigens auch als Fernsehfassung von ARD, ZDF und ORF inszeniert.

 

2015 veröffentlichte der Deutsche Taschenbuchverlag (dtv) den Band "Das Haus der zwanzigtausend Bücher". Sasha Abramsky erzählt darin über seinen Großvater Chimen Abramsky, der ein fanatischer Büchersammler war und in seinem Haus in London-Highgate in über sechs Jahrzehnten an die 20.000 Bücher zusammengetragen hatte. Folianten in englischer, russischer, hebräischer und jüdischer Sprache. Als Chimen Abrasky 2010 im Alter von 93 Jahren starb, kam die Familie zusammen. Auch Enkel Sasha war aus den USA angereist und half beim Ordnen des Nachlasses. Eine große Herausforderung, denn das Haus bestand aus einem riesigen Bücherlabyrinth mit mehr als zehn Tonnen nicht katalogisierter Titel. Dazu unendliche Mengen von Briefen, Zeitungen und Manuskripten.

Sasha Abramsky, Jahrgang 1972, von Beruf Journalist, veröffentlichte nach vierjähriger Recherche sein Buch über "Das Haus der zwanzigtausend Bücher". Er erzählt, wie er sich in das "Dschungelzimmer", das Arbeitszimmer des Großvaters, durchkämpfte und immer wieder Bücher in die Hand nahm, blätterte und las, darunter Werke von Spinoza aus dem 17. Jahrhundert und seltene Judaica. Am wertvollsten die Bücher mit handschriftliche Notizen von Karl Marx, Lenin und Briefe von Rosa Luxemburg.

Über die Erkundung des Hauses erweckt er nicht nur die Bücher zum Leben. Er folgt der von Brüchen geprägten Biografie des Großvaters, eines Juden, dessen Familie Anfang der 1930er Jahre aus Weißrussland nach England emigrierte. Chimen wurde nicht Rabbi wie sein Vater. Sein Lebensweg verlief ganz anders: Er wurde ein führendes Mitglied der KP Englands, brach aber später mit der kommunistischen Utopie und "wandelte sich in einen ernst zu nehmenden liberalen Denker".

"Sein Wissen war grenzenlos", schreibt der Enkel über seinen bis ins hohe Lebensalter aktiven Großvater, der - ohne Hochschulabschluss - sogar zum Professor berufen wurde. Außerdem war Chimen wesentlich an der Überführung von 1.500 Thora-Schriftrollen aus Prag nach London beteiligt. Die wertvollen Artefakte stammten aus Böhmen und Mähren und wurden von den Nazis während des Zweiten Weltkrieges als Beutegut im Jüdischen Museum Prag ausgestellt.

Die Begegnung mit dem Großvater wird für den Enkel so bedeutsam, dass dieser sein eigenes Leben überdenkt und ordnet, "als Teil einer religiösen, kulturellen, politischen und migratorischen Tradition".

Philipp Blom schrieb zur Originalausgabe ein sehr lesenswertes Nachwort. Das findet sich auch in der erweiterten Ausgabe des Buches, die dtv vor kurzem herausgebracht hat.

Höhepunkt ist die neue Sicht auf diese berührende Lebensgeschichte: Sasha Abramsky erfuhr 2016, dass seine Großeltern Miriam und Chimen vom britischen Inlandsgeheimdienst (MI5) wegen ihrer kommunistischen Gesinnung überwacht wurden. Die "Top-Secret"-Akten, die bis ins Jahr 1942 zurückreichen, konnte der Enkel bisher nur in Teilen einsehen. Über seine Erkenntnisse und Erfahrungen bei dieser Recherche schreibt er im Vorwort, das er der Taschenbuch-Ausgabe voranstellt.

Sasha Abramsky: "Das Haus der zwanzigtausend Bücher". Aus dem Englischen von Bernd Rullkötter. Erweitert um ein Vorwort von Sasha Abramsky. Mit einem Nachwort von Philipp Blom und einem farbigen Bildteil. dtv Literatur, München 2017. 408 Seiten, 12,90 Euro