Frank Goldammer führt seine Dresden-Krimis, in denen im Mittelpunkt der Kriminalkommissar Max Heller steht, weiter. Der dritte Band der Reihe, Titel "Vergessene Seelen", ist im Sommer 1948 angesiedelt. Der Autor verarbeitet erneut geschichtliche und gesellschaftliche Reignisse und geht auf die schwierige, von zahlreichen Veränderungen geprägte Nachkriegszeit ein.

Der Sommer 1948 war sehr heiß, auch auf dem politischen Parkett. Die Währungsreform im Osten und Westen hatte tiefgreifende Auswirkungen auf den schwierigen Alltag der einfachen Menschen und verschärfte die Spaltung zwischen den Besatzungsmächten.

Vor diesem Hintergrund ermittelt Max Heller, in einer Stadt, in der noch überall die Kriegsschäden zu sehen sind. Ein 14-Jähriger wird tot aufgefunden. Unfall, Mord, Selbstmord? Entsetzt ist heller über die Gleichgültigkeit der Angehörigen des Jungen, vor allem des kriegsgeschädigten alkoholkranken Vaters, der seine Kinder misshandelt. Die finden in Ruinenkellern nicht nur Diebesgut, sondern auch Bestände einer chemischen Droge, Pervitin genannt, die Soldaten an der deutschen Front verabreicht wurde, um bis zum Endsieg durchzuhalten, mit gefährlichen Nebenwirkungen.

Frank Goldammer gelingt wieder eine spannende Geschichte. Aber angesichts der zahlreichen Handlungsstränge und Figuren verliert man leicht den Überblick. Es lohnt sich hier das erneute Lesen. Stilistisch wurde nicht immer sauber gearbeitet, auch mit der Grammatik hapert es gelegentlich. Das erweckt den Eindruck des allzu flüchtigen Schreibens. Auch Druckfehler finden sich. Schade. Wen diese Mängel nicht stören, liest sich in der Geschichtge fest, in der auch das familiäre Leben Max Hellers großen Raum einnim

 

mt. Rührend wie er sich mit seiner Frau Karin um die Adoption der kleinen Anni kümmert. Sein Sohn Klaus geht voll in der neuen Zeit auf, arbeitet für das Ministerium des Inneren und setzt auf Konfrontation mit dem Vater. Dieser Konflikt wird sich wohl in den weiteren Bänden der Reihe fortsetzen.

Ein Glossar am Ende des Romans erklärt diverse verwendete Abkürzungen. Ob die, wie zum Beispiel "Druschba", "FDGB", "DSF", "FDGB", "HJ", "Kassiber", "RIAS" oder "SED" notwendig sind, darf sich der geschichtlich orientierte Leser schon fragen.

Frank Goldammer: "Vergessene Seelen". Ein Fall für Max Heller. Kriminalroman. dtv premium, München 2018. 384 Seiten, 15,90 Euro