Berlin wurde zur aufsteigenden Metropole durch den Anschluss an die Welt. 1838 gab es die erste Eisenbahn von Zehlendorf nach Potsdam. Einige Jahre später konnte man schon mit dem Zug bis nach Dresden fahren und weiter nach Wien und Paris...

Mit der Entstehung des innerstädtischen Bahnverkehrs - elektrifizierte S-Bahn - ging es rasant weiter mit dem technischen Fortschritt. Die Menschen nuetzten die neue Freiheit und reisten. Ohne Bahnhöfe war das nicht möglich. Berlin baute diese Bahnhöfe. Prächtige Bauten, mit Palästen vergleichbar, die als Empfangsgebäude fungierten. Hier stiegen die Reisenden nicht nur einfach um, sondern begegneten sich. In Berlin gab es keinen zentralen Bahnhof für alle Strecken, ob nach Nord, Süd, West und Ost - für jede Richtung gab es einen Bahnhof.

Der Potsdamer Bahnhof war der erste in Berlin. Er nahm seinen Verkehr 1838 auf. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1943 durch Bomben stark beschädigt und erst 1958 abgerissen. Eine Tragödie unter vielen, denn Berlin war 1945 eine Ruinenstadt. Nur wenige Bahnhöfe, wie der Lehrter Bahnhof, der 1951 seinen Betrieb einstellen musste und 1959 aus dem Stadt verschwand, funktionierten.

Wie die Bahnhofsbauten entstanden und welchen Niedergang sie erlebten, das erzählen historische Fotos, die Herausgeber Boris von Brauchitsch für den Band "Unter Dampf" ausgewählt hat. Diese Bilddokumente sind Zeugnisse einer repräsentativen Architektur, die man sich heute nur noch in Ansätzen vorstellen kann. Man ahnt es, wenn man den Hamburger Bahnhof besucht, der heute als Museum für Gegenwartskunst einlädt. Er gilt als der letzte original erhaltende Kopfbahnhofsbau der Hauptstadt. Nach nur 40 Jahren Betriebszeit richtete man 1906 das erste Museum - das Königliche Bau- und Verkehrsmuseum - ein.

Boris von Brauchitsch konnte aus einer Fülle unbekannter Schwarz-Weiß-Fotos auswählen und sie zum ersten Mal veröffentlichen. Sie zeigen auch, wie sich Jahrzehnte nach dem Krieg die Reisesituation mit dem Bau der Berliner Mauer und der Entstehung der innerdeutschen Grenze veränderte.

Zahlreiche Fotos vermitteln viel vom Lebensgefühl der Berliner, vom schnellen Verkehr, in dem die Pferdewagen als Transportmittel bald die Verlierer waren, Jahre vor dem Krieg. Dazu dann der Kontrast mit Gebäuden, die in Trümmern liegen.

"Unter Dampf" - eine ganz besondere kulturgeschichtliche Reise in ein Berlin, das sich nur noch auf alten Fotos entdecken lässt.

"Unter Dampf. Historische Fotografien von Berliner Regional- und Fernbahnhöfen". Hrsg. Boris von Brauchitsch, in Zusammenarbeit mit der bpk-Bildagentur. Edition Braus, Berlin, 2018. 168 Seiten, 155 Abb., 24,95 Euro

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