Frank Goldammer, Jahrgang 1975, ist im Hauptberuf Maler- und Lackierermeister. Nach seiner Arbeit setzt sich der Handwerker an den Schreibtisch und verfasst eigene Texte. Seine ersten Bücher verlegte er im Eigenverlag. Inzwischen ist der waschechte Dresdner ein Erfolgsautor, vor allem mit seinen Regionakrimis über Dresden und Umgebung. Über Dresden kann dieser Autor schreiben, in dieser Materie kennt er sich bestens aus. Besonders die Historie dieser Stadt fasziniert ihn. Hier recherchiert sehr genau und gründlich. Das belegen besonders die beiden letzten historischen Kriminalromane "Der Angstmann" und "Tausend Teufel" - literarische Hochkaräter, die Goldammers Rang als einen der Besten auf diesem Gebiet bestätigen.

Es sind verstörende, sehr realistische Geschichten aus dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dresden. Hauptfigur ist Kriminalinspektor Max Heller. Im Ersten Weltkrieg schwer verwundet, leidet er immer noch an einem Kriegstrauma, das sich nun wiederholt. "Der Angstmann" beginnt im November 1944. Ein Frauenmörder geht um. Heller ermittelt, stellt den Mörder fast in der Bombennacht des 13. Februar 1945. Der Verbrecher flieht und Heller glaubt, dass dieser während der Angriffe umgekommen ist. Doch er taucht wieder auf und mordet weiter. Heller ist dem Mörder auf der Spur, ohne zu wissen, wie nah er ihm schon gekommen ist... Die Leser sind da schon weiter und wissen mehr. Frank Goldammer beschreibt die Apokalypse der letzten Kriegstage beeindruckend in ihrer Düsternis. Diesen Anspruch kann er nicht immer bei allen Figuren umsetzen, manche wirken blass und stereotyp.

Auch im zweiten Fall "Tausend Teufel" ist dieses Manko zu spüren. Max Heller ermittelt nun als Oberkommissar und Mitglied der frisch gegründeten Volkspolizei. Die Handlung spielt im Februar 1947. Der Kommissar kämpft mit seiner Frau Karin ums Überleben in einem eisigen Winter. Als am Elbufer der Dresdner Neustadt ein Toter gefunden wird, ist seine Kompetenz fragt. Der Tote trägt die Uniform der sowjetischen Streitkräfte. In der Nähe findet sich ein Rucksack. Inhalt: der abgetrennt Kopf eines Mannes. Damit beginnt eine mysteriöse, grauenhafte Geschichte, die auch Heller entsetzt. Nicht nur, dass er sich mit der sowjetischen Militäradministration auseinandersetzen muss, die das Verbrechen am liebsten unter den Teppich kehren möchte, auch die eigenen Kollegen behindern die Ermittlungen. Parolen wie "Der Sozialismus siegt" helfen da wenig.

Frank Goldammer schildert den Alltag in diesem Nachkriegswinter mit seinen schmerzlichen Details, den Kampf um ein Stückchen Brot, um eine warme Suppe. Und da sind auch noch die verkappten Nazis, die wieder wichtige Positionen einnehmen, und die vielen verwahrlosten Kinder, die irgendwo im Niemandsland als Bande hausen. Gerade diese letzte Tatsache betrifft Max Hellers Ermittlungen besonders und hat Auswirkungen auf sein Privatleben.

Fazit: Diese Krimis haben ihre eigene Dynamik und die Plots werden ohne Mühe umgesetzt. Wer sich für die Nachkriegsgeschichte im Osten Deutschlands interessiert, sollte der Lektüre nicht ausweichen.

Frank Goldammer: "Tausend Teufel". Kriminalroman. dtv premium, München. 368 Seiten, 16,90 Euro